Digitale Teilhabe im Alter: Wer in Bremen-Nord noch Unterstützung braucht

Zwei Hände einer älteren Person auf der Tastatur eines Laptops

Arzttermine, Behördengänge, Kontakt zur Familie, Banking: Vieles läuft heute über das Internet. Wer dort nicht mitkommt, meldet sich selten laut. Er zieht sich zurück, und das fällt kaum jemandem auf. Zum Internationalen Tag der älteren Menschen am 1. Oktober zeigen wir, wie groß die Lücke bei uns im Norden ist.

Die Zahlen für Bremen-Nord

Nach der amtlichen Statistik leben in Bremen-Nord 106.248 Menschen, davon 23.573 ab 65 Jahren. Das ist gut ein Fünftel der Bevölkerung.

Überträgt man die Ergebnisse der SIM-Studie 2024 zum Medienverhalten älterer Menschen auf den Stadtbezirk, waren rund 3.400 bis 4.400 von ihnen noch nie im Internet, mehr als die Hälfte davon im hohen Alter. Dazu kommen Menschen, die zwar online sind, ihr Gerät aber nicht selbständig bedienen können. Nach den Studien, die wir kennen, trifft das auf etwa die Hälfte der älteren Onliner zu. Insgesamt schätzen wir, dass in Bremen-Nord rund 12.000 ältere Menschen Unterstützung brauchen, offline wie online.

Die Zahlen zu den Offlinern sind Hochrechnungen aus Bundesstudien, keine Zählungen vor Ort. Die Größenordnung dürfte trotzdem stimmen.

Wer besonders betroffen ist

Die digitale Spaltung folgt sozialen Linien. Laut SIM-Studie hat fast drei von vier älteren Offlinern einen niedrigen Bildungsabschluss, und rund 71 Prozent sind Frauen. Bremen hat außerdem die höchste Armutsquote aller Bundesländer (27,5 Prozent, Armutsbericht 2025).

Wer wenig Geld und wenig Bildung hat, hat oft auch weniger Zugang zu digitalen Angeboten. Digitale und soziale Teilhabe hängen deshalb eng zusammen.

Was wir tun

Seit 2023 baut „Digital im Alter Bremen-Nord" ein ehrenamtliches Netzwerk auf. Wir arbeiten in kleinen Gruppen mit höchstens sechs Teilnehmenden, ohne Fachjargon und kostenlos. Das Angebot:

  1. Digitale Sprechstunden in fast allen Stadtteilen von Bremen-Nord – Blumenthal folgt noch. Hier erreichen wir jährlich 400 bis 500 Seniorinnen und Senioren.
  2. Grundlagenkurse für Menschen, die bewusst offline sind und ganz von vorn anfangen wollen.
  3. Vorträge und Workshops, zum Beispiel zu Betrugsmaschen am Telefon. Ein Anruf mit der gefälschten Stimme der vermeintlichen Tochter, die dringend Geld braucht, ist bei uns im Norden schon vorgekommen.

400 bis 500 Menschen im Jahr bei rund 12.000 mit Unterstützungsbedarf: Das ist ein Anfang, mehr nicht. Deshalb brauchen wir Verstärkung.

Was jetzt hilft

Für Seniorinnen und Senioren gilt: Kommen Sie vorbei. Ein eigenes Gerät brauchen Sie dafür nicht, und Lernen hat kein Verfallsdatum.

Für alle anderen im Stadtbezirk gilt: Wir suchen Ehrenamtliche. IT-Kenntnisse sind nicht nötig, wichtig ist die Geduld, Dinge zu erklären, die für Sie selbstverständlich sind.

Für Politik und Verwaltung gilt: Die Ortsämter im Norden hatten für unsere Arbeit immer ein offenes Ohr und sehen den Bedarf wie wir. Ihre Möglichkeiten sind aber begrenzt, weil die Entscheidungen woanders fallen. Räume, Begegnungsorte und Förderung müssen deshalb erhalten bleiben und wachsen. Das Ehrenamt trägt viel, aber nicht alles.

Teilhabe im Alter ist ein Recht, keine Gefälligkeit. Wir arbeiten seit 2023 daran, es im Norden Bremens einzulösen, Sprechstunde für Sprechstunde.

Sie erreichen uns mittwochs von 10 bis 11 Uhr telefonisch oder jederzeit über dia-bremen.de .

Haben Sie noch Fragen dazu? Kommen Sie einfach zu einer Sprechstunde in Ihrer Nähe.