Der Anruf mit der Stimme der eigenen Tochter – und die E-Mail, die zu echt aussah

Altes Wählscheibentelefon

Vor Kurzem bekam jemand aus unserem Team einen Anruf: Am anderen Ende behauptete eine Stimme, die eigene Tochter habe einen Unfall verursacht und sitze in Untersuchungshaft, nur eine sofortige Geldüberweisung könne sie wieder freibekommen. Im Hintergrund war eine Stimme zu hören, die der Tochter täuschend ähnlich klang.

Wenn das Herz rast und keine Zeit bleibt zum Denken

In solchen Momenten funktioniert das Gehirn anders: Der Schock schaltet auf Notfall-Modus, und genau darauf setzen die Betrüger. Sie erfinden schnell eine Geschichte – ein Unfall, ein Todesfall, eine Verhaftung – und bauen sofort Zeitdruck auf: Die Polizei stehe schon bereit, das Geld müsse binnen einer Stunde da sein. Oft reicht eine aufgeregte Stimme im Hintergrund aus, damit man handelt, statt nachzudenken.

Am wichtigsten ist es, in diesem Moment aufzulegen und kurz durchzuatmen – und dann das eigene Kind über die selbst gespeicherte Nummer anzurufen, nicht über die Nummer, die der Anrufer genannt hat. Bleiben Zweifel, hilft ein Anruf bei der Polizei unter 110.

Eine E-Mail vom eigenen Kreditinstitut – oder?

Aus unseren Sprechstunden kennen wir einen anderen Fall: eine E-Mail, die exakt aussah wie eine von der eigenen Bank, mit stimmigem Logo und passender Anrede. Der Inhalt machte trotzdem nervös: Das Konto sei gehackt worden, man solle schnell auf einen Link klicken, um es zu schützen.

Das nennt sich Phishing. Der Link führt zu einer Fälschung, die der echten Bank-Seite täuschend ähnlich sieht. Dort werden Benutzername, PIN oder Passwort abgefragt und gestohlen.

Sicherer ist es, die Bank-Adresse selbst einzutippen oder ein gespeichertes Lesezeichen zu nutzen. Bei Unklarheiten hilft ein Anruf bei der Bank – die Nummer steht auf der Kontokarte oder dem letzten Kontoauszug.

Ein Satz, der immer hilft

Wichtig zu wissen: Weder Ihre Bank noch die Polizei fragen am Telefon oder per E-Mail nach der PIN oder einem Passwort. Wer das verlangt, gibt sich nur als Bank oder Polizei aus.

Bei Druck, Eile oder der Bitte um Geld oder Zugangsdaten gilt deshalb: erst auflegen oder die E-Mail schließen, dann in Ruhe über eine selbst gewählte Nummer oder Seite nachfragen.

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